Antworten Fan-Interview

19. April 2012

Vor einigen Wochen konnten Fans Diego Fragen stellen. Hier sind nun seine Antworten: 

Du bist seit vier Jahren beim VfL Wolfsburg. Wie hast Du diese Zeit mit den unterschiedlichen Phasen der Entwicklung erlebt? Wo siehst du Dich heute im Verein? Wo siehst du den Verein langfristig?

Am besten hat mir natürlich das Meisterjahr gefallen. Keine Wiederholung brauche ich hingegen vom Jahr, wo wir bis zur letzten Minute um den Klassenerhalt zittern mussten. Weil ich schon über vier Jahren dabei bin und auch schon zu den erfahrenen Spielern gehöre, hat sich meine Akzeptanz im Team natürlich entwickelt. Ich bin überzeugt, dass hier in Wolfsburg ein Team entstehen kann, dass regelmässig um die internationalen Plätze mitspielen kann.

Als Vize-Kapitän hast Du eine große Verantwortung. Wie siehst Du diese Aufgabe und was bedeutet es für Dich? 

Ich habe immer gerne Verantwortung übernommen, auch ohne Binde. Wichtig ist, dass die Mannschaft lebt. Dazu gehören Gespräche. Dank meiner Erfahrung und Stellung im Team hört man mir auch zu.

Viele junge Spieler verstärken seit einiger Zeit das Team. Wie gelingt es auch außerhalb des Platzes, sie zu integrieren? Gibt es gemeinsame Teamabende, bei denen Ihr Euch besser kennenlernt? Unternimmst Du auch privat etwas mit Teamkollegen?

Bei uns ist keiner auf sich alleine angewiesen. Natürlich sind die engeren Kontakte unter den Spielern geprägt von Sympathie, Sprache und Alter. Jeder der von mir Hilfe oder einen Rat braucht, bekommt das auch. Ich gebe gerne weiter, was ich z.B. in Portugal alles erfahren durfte.

Diese Saison gab es auch schon kontraproduktive Fanproteste gegen die Mannschaft und sogar gegen einzelne Spieler. Wie gehst Du innerhalb des Teams damit um? Sprichst Du mit Deinen Mannschaftskollegen darüber und wie unterstützt Du Mitspieler, die besonders davon betroffen waren?

Natürlich reden wir darüber. Keinen Spieler lässt eine solche Situation kalt. Manchmal wünschen wir uns natürlich, die Fans hätten etwas mehr Vertrauen und Geduld. Denn Unterstützung hilft oft mehr als zusätzlicher Druck von den Fans. Aber wir haben natürlich auch Verständnis wenn unsere Fans nach Niederlagen enttäuscht und unzufrieden sind mit uns. 

Für die Fans des VfL Wolfsburg bist Du inzwischen eine, wenn nicht gar die Identifikationsfigur des Vereins. Außerdem ein gefragter Interviewpartner bei den Medien und immer umlagert von kleinen und großen Fußballfans mit Autogramm- und Fotowünschen. Wie gelingt es Dir, in diesem "öffentlichen Teil" Deines Lebens immer Du selbst zu bleiben?

Mir war von Anfang an klar, dass ich diesen Beruf nur deshalb ausüben kann, weil es so viele gibt, die Fussball lieben, mit Herz dabei sind und viel Zeit und Geld investieren. Für mich ist es deshalb selbstverständlich, dass ich versuche, diesen Menschen etwas zurückzugeben.

Beim VfL gibt es mittlerweile drei Schweizer Spieler und mit Hausi Hilfiker noch einen weiteren Landsmann. Auch bei anderen Bundesligisten sind inzwischen einige Schweizer vertreten. Wie beurteilst Du die fußballerische Entwicklung in Deiner Heimat?

Der Schweizerische Fussballverband leistet seit Jahren hervorragende Arbeit. Besonders in den Juniorenbereichen, wo auch ich sehr viel davon profitieren konnte. Das Ergebnis sind die vielen Schweizer Spieler im Ausland.

In der Schweizer Nati bist Du als Keeper gesetzt. Deine jungen Kollegen rücken nun auf beeindruckende Weise nach. Ein Zeichen für die Qualität der Schweizer Torhüter-Ausbildung. Was braucht man, neben Talent und Ehrgeiz, um den Weg nach ganz oben zu schaffen?

Viel Geduld und natürlich auch ein bisschen Glück. Demut und Respekt kann auch nicht schaden. Eine gute Balance zwischen Verbissenheit und Freude. Auch Opferbereitschaft gehört dazu.

Wie sieht ein typischer Abend vor dem Spieltag bei Dir aus?

Nach dem Abschlusstraining bleibt die Mannschaft zusammen. Wir beziehen gemeinsam ein Hotel am Ort des Spieles. Nach dem Essen gibt es eine Besprechung, schauen gemeinsam ein Fussballspiel oder gehen alle zusammen ins Kino.

Mit welchem VfL-Spieler teilst Du im Hotel Dein Zimmer?

Ich bin schon lange mit Marcel Schäfer im gleichen Zimmer.

Seit 1 1/2 Jahren bist Du Vater. Wie hat sich Dein Leben seither verändert und wie wirkt sich dies auf Deinen Fußball-Alltag aus?

Auf den Fussball-Alltag nur indirekt. Im Training und im Spiel ist jeder auf seine Aufgabe konzentriert. Aber wenn ich nach einem Spiel mal schlecht gelaunt nach Hause komme und mich dann unsere Tochter anlacht, kann ich viele Dinge für einen Moment lang vergessen. 

Viele Spieler kommen, viele Spieler gehen. Entwickeln sich trotzdem Freundschaften unter den Spielern?

Die Weichen für eine Freundschaft werden meistens schon beim Kennenlernen gestellt. Es ist deshalb zweitrangig, wie lange man zusammenspielt. Ich pflege noch mit Leuten an allen meinen Stationen enge Kontakte.

Was machst du in deiner Freizeit?

Die meiste Zeit verbringe ich mit meiner Frau und meiner Tochter. Wir sind oft mit der kleinen auf dem Spielplatz oder im Zoo. Meistens sind noch andere Familien mit Kindern dabei, dazu gehören auch die Familien von Mannschaftskollegen.

Schaust du dir deine Spiele oder Szenen nach dem Spiel nochmals an? Wenn ja, alleine oder mit dem Trainer?

Meistens schaue ich mir die Spiele nur mit dem Torwarttrainer an. Ich kann in der Zwischenzeit ganz gut einschätzen, was ich richtig gemacht habe und was weniger gut.

Wer war dein Vorbild als du noch bei den Jugend-Mannschaften spieltest?

Ich habe Peter Schmeichel gerne zugesehen. Später dann Buffon. Ein typisches Vorbild hatte ich aber nie.

Wo siehst du dich nach deiner Karriere? (hoffe aber, sie dauert noch eine Weile...)

Ich hoffe auch, dass das noch ein Weilchen dauert, deshalb habe ich mich damit noch nicht beschäftigt.